Die Kuckucksuhr
Das Dorf Haselreuth lag mit seinen verwitterten Hütten hoch und zierlich an den Gebirgshang hingesprengt wie der Flecken Bethlehem. im Krippenspiel. Weil der Ort in seiner Himmelsnähe allen Wolken und Winden offen stand, war auf die Turmuhr dort kein Verlass; der Wind trieb die Zeiger daran hin und her, wie es ihm gefiel. Und darum galt es den Haselreuther Bauern, wenn sie spätnachts zu ihren Weibern heimkamen, als die flüssigste Ausrede, sie hätten im Wirtshaus nur erfahren wollen, wie weit es an der Zeit sei. Denn der Huberwirt besaß eine Nürnberger Uhr, die trotz ihres hölzernen Räderwerkes genauer ging als die Sonne am Himmel. Nun aber geschah es, dass die alte Nürnbergerin auf einmal launisch wurde wie ein bejahrter Ausgedingler und nach einem peinlich eingeteilten Leben endlich ihren Feierabend begehrte. Sie fing zu trotzen an, sie zeigte anders und schlug anders, und schließlich setzte das betrügerische Ding ganz und gar aus. Der Huberwirt wusste sich nicht zu helfen, er brachte den Schwengel, der da nimmer schwang und darum die einzige Schuld an allem zu tragen schien, zum Uhrmacher nach Sankt Oswald, er möge ihn beseitigen und die widerspenstige Uhr wieder in Gang bringen. Der Uhrmacher schob die staubige Brille hoch in die Stirn, schnüffelte ein bisschen an dem Schwengel herum und sagte: »Xaver, die Uhr da wird nimmer gesund, ihr Herzschlag ist schon zu alt. Du