Chapter

Chapter One

Die Filmrollen lagen im Archiv der Filmhochschule, in einem Regal, das seit Jahren niemand mehr angeruehrt hatte. Mia fand sie per Zufall, als sie Material fuer ihre Abschlussarbeit ueber den Regisseur Werner Hallstein suchte — drei Dosen, unbeschriftet, in einem Karton, auf dem nur eine Jahreszahl stand: 1978. Das war zwei Jahre bevor Hallstein seinen bekanntesten Film gedreht hatte, den Film, der ihn beruehmt gemacht und gleichzeitig zerstoert hatte, und Mia wusste in dem Moment, als sie die Dosen in der Hand hielt, dass sie etwas gefunden hatte, das nicht gefunden werden sollte. Sie lieh sich einen Projektor aus dem Technikraum und sperrte sich in einen Schneideraum ein. Der Film war schwarzweiss, koernig, offensichtlich mit einer Handkamera gedreht. Er zeigte ein Haus — ein grosses, verfallenes Haus auf dem Land, umgeben von Baeumen, die ihre Aeste wie Finger nach dem Himmel streckten. Die Kamera bewegte sich durch die Raeume, langsam, fast zoegerlich, als haette der Kameramann Angst vor dem, was er filmen wuerde. Und dann, im letzten Raum, im Keller, sah Mia etwas, das sie erstarren liess. Es war eine Szene, die sie kannte. Einstellung fuer Einstellung, Winkel fuer Winkel — es war die Kellerszene aus Hallsteins Film, dem Film, den er angeblich komplett erfunden hatte. Aber dieses Material war zwei Jahre aelter. Es war kein Drehbuch, keine Probe, kein Storyboard. Es war

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