Chapter

Kapitel 1

»Sie sollten Ihr Pistol nicht in Manteltasche außen bei sich haben, Fräulein, wo wir bald kommen Berlin!« sagte der Mitreisende in rauhem, gebrochenem Deutsch eines Letten. »Jeder – er sieht es da stecken!« Das junge Mädchen drehte sich auf dem Fensterplatz herum, von dem aus sie seit Stunden regungslos in die am Königsberger Schnellzug vorbeifliegende, märzgraue märkische Ebene hinausgestarrt hatte. Sie zeigte ein kleines, zartes, weißes Gesicht unter glänzend schwarzem, schlicht in der Mitte gescheiteltem Haar. Tiefschwarz auch die Brauen auf der niederen Stirne über den großen, schönen Augen von unbestimmter, bräunlich-grünlicher Farbe. Sie lächelte den andern naiv und fragend an. Der Tuklumer Holz-Händler ergänzte mit seiner heiseren Stimme: »Waffentragen in Berlin verboten! Werden Verdruß haben – mit Polizei!« »Oh – danke sehr...« Seine Nachbarin in dem Abteil dritter Klasse sagte es schnell in dem harten Deutsch einer Deutsch-Russin. Sie lächelte dabei wieder sanft und bescheiden. Sie kramte hastig mit ihren feinen, kleinen Händen den Revolver aus dem Schlitz ihres abgetragenen, braunen Mäntelchens und schob ihn in das Reisetäschchen, das sie auf dem Schoß hielt. Das Lächeln verlor sich um ihren weichen Kindermund. Ihre feinen Nasenflügel bewegten sich nervös. Sie saß ganz still und schaute vor sich nieder und nagte grüblerisch an der Unterlippe. Man sah ihr

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