Erster Teil
Der Schnellzug hielt vor dem Perron in H.; „Eine Minute Aufenthalt!“ riefen die Schaffner, von Koupé zu Koupé eilend. Vor der Wagenreihe entwickelten sich die bekannten Abschieds- und Begrüßungsscenen; dazwischen verlangten halbverdurstete Reisende nach Bier, schrieen die Gepäckträger ihr „Vorsicht!“ in den sprechenden, hastenden Menschenknäuel, und die Glocke that ihre drei durchdringenden Schläge. Die Koupés hatten sich im Umsehen gefüllt, trotz des unverhohlenen Mißfallens der bereits darin Sitzenden, und wie mit einem Zauberschlage war Ruhe eingetreten. Eben setzte der Zugführer sein Pfeifchen an den Mund, da stürzte in athemloser Hast ein junges Mädchen aus dem Stationsgebäude. „Wohin?“ rief ihr der Schaffner entgegen. „Nach Hohenberg – zweite Klasse – Damen – –!“ stieß sie hervor. „Schon besetzt!“ sagte der Mann lakonisch, riß die Thür zu einem Koupé erster Klasse auf, half der schlanken Gestalt hinein, warf Plaidbündel und Reisetasche hinterher und ging dann langsam auf dem Trittbrette des bereits fahrenden Zuges weiter, um mit dem Koupiren der Billette zu beginnen. Indeß saß das Mädchen, noch immer athemlos, auf dem rothen Sammtpolster, betrachtete ihr Handgepäck, rückte sich das Strohhüten auf den blonden Haarflechten zurecht und tupfte mit dem Taschentuch das erhitzte Gesichtchen. Dann faßte sie die Dame ins Auge, die zum entgegengesetzten Fenster hinausschaute und