I
Es war seltsam, welch eine Wandlung in Jakobe Ansold von dem Augenblick ab vorging, wo sie den Entschluß gefaßt hatte, in nächster Zeit das Haus ihres Mannes für immer zu verlassen. Sie wunderte sich selbst darüber, daß sie nun auf einmal ganz ruhig wurde. Sie begriff es nicht; nach all dem Sturm die plötzliche Stille – nach einem Seelensturm durch Monate hindurch, den niemand auf Erden kannte, niemand ahnte außer ihr – und am wenigsten ihr Mann. Seit sie in diesen ersten Septembertagen so weit gekommen, lebte sie innerlich wieder auf. Die Blässe wich. Die Teilnahmlosigkeit, in der sie lange Stunden des Tages und halbe Nächte voll eines unbestimmten Grauens, sie könne noch einmal über dem allem den Verstand verlieren, vor sich hingedämmert, machte einer klaren Abschiedsstimmung Platz, das bittre ratlose Lächeln, das so oft, wenn sie sich unbeobachtet wußte, um ihre Mundwinkel gezuckt, verschwand. Nur einen eigenen starren Ausdruck hatte sie in den Augen, wenn sie, wie jetzt oft, plötzlich in Gedanken verloren mitten im Zimmer stehen blieb und vor sich hinschaute – in die Ferne hinaus, als suche sie da draußen etwas – neues Land – einen festen Punkt – und sähe doch nur uferlose Weite. Kaum klangen aber auf dem Flur Schritte und es näherte sich jemand, so gewannen ihre Züge jene lebhafte und etwas scheue Freundlichkeit, mit der sie nun allen, auch ihrem Mann, begegnete. Es lag