Chapter

1. Kapitel

»Itze kommense!« Bubenstimmen gellten laut durch das in der Mittagsglut träge ruhende Dorf. Mädelstimmen tönten nach, waren heller, höher, sie drangen in die Häuser ein und jach erhob sich da und dort lautes Rufen. Fragen und Gegenfragen sprangen von Haus zu Haus, Holzpantoffeln klapperten, Türen, Fenster wurden aufgetan, neugierige Gesichter schauten, und selbst der alte Pfarrer sah müde aus dem Fenster seiner Wohnstube. Und wieder gellten die Bubenstimmen laut. »Nune biegense um de Ecke!« Der alte Lemnitzer Karl schrak zusammen in seinem Ofenwinkel, in dem er seine Tage verdrömelte. Verdattert richtete er sich auf. »Sind's Schweden?« »Niche doch, Vater, die kommen nune nie mehr. Hab nur niche Bange, die Pösener Herrschaft kommt itze gefahren.« »Die Schweden, die Schweden!« lallte der Alte verzagt. »Da passe du nur druff, die finden wieder her.« »Es tut dir niemand mehr was!« Frau Katarine Merfen, des Alten verwitwete Tochter, strich mitleidig dem Vater über das verstörte Gesicht. »Se ham uns genug getan.« »Gotte doch ganz genug.« Und einen Augenblick schwankte die große, blonde Frau, und ihre Augen hatten den Schreckensblick von damals, als die Schweden auf »friedlichem« Durchzug in das Dorf gekommen waren. »Itze ist lange Friede,« sagte sie gut zu dem Alten, und wiederholte feierlich: »Friede.« »Das Wasser vor drei Jahren war 'n Anzeichen, sie kommen wieder,« brummelte der

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