Der Neubeginn
Der Schreiner kam am dritten Tag, um das Fenster im Erdgeschoss zu reparieren, das nicht mehr schloss. Er hieß Georg, war ungefähr in Gertruds Alter und hatte Hände, die aussahen, als könnten sie alles reparieren, was kaputt war. Er arbeitete schweigend und gründlich, und als er fertig war, blieb er stehen und sah die Staffelei im Garten an, das halbfertige Bild der Linden im Herbstlicht.
Georg sagte, er habe immer gewusst, dass die Linden gemalt werden wollten, aber er habe nie jemanden gefunden, der es konnte. Es war ein seltsamer Satz, aber Gertrud verstand ihn, weil sie selbst manchmal so dachte — dass Dinge darauf warteten, gesehen zu werden, wirklich gesehen, nicht nur angeschaut, und dass das Malen eine Art des Sehens war, die den Dingen Gerechtigkeit widerfahren ließ.
Sie tranken Kaffee auf der Bank vor dem Haus, und Georg erzählte von seiner Werkstatt, von den Möbeln, die er baute, von dem Holz, das er aus dem Wald holte und das ihm Geschichten erzählte, wenn er es in den Händen hielt. Gertrud erzählte von Heinrich, vorsichtig, als teste sie, ob die Worte sie noch verletzten, und stellte fest, dass sie es nicht mehr taten — nicht weil der Schmerz verschwunden war, sondern weil er sich verändert hatte, von etwas Scharfem in etwas Rundes, das man tragen konnte.
Das Herbstlicht fiel auf Georgs Gesicht, und Gertrud dachte, dass sie ihn malen wollte, und dass dieser
