Die Rueckkehr
Das Dorf hatte sich nicht verändert, und das war das Schlimmste daran. Die Linden am Dorfplatz standen noch immer in derselben Reihe, der Brunnen plätscherte noch immer vor der Kirche, und der Laden von Frau Becker verkaufte noch immer dieselben Postkarten, die schon alt gewesen waren, als Gertrud ein Kind war. Nur Gertrud hatte sich verändert — dreißig Jahre in der Stadt hatten sie zu einer Fremden gemacht in dem Ort, der einmal ihr Zuhause gewesen war.
Sie hatte das Haus ihrer Eltern geerbt, ein kleines Fachwerkhaus mit schiefen Wänden und einem Garten, der in ihrer Abwesenheit verwildert war. Heinrich, ihr Mann, war im Frühjahr gestorben, schnell und leise, wie er gelebt hatte, und Gertrud hatte in der leeren Wohnung in Düsseldorf gesessen und gewusst, dass sie nicht bleiben konnte. Also war sie zurückgekommen, mit zwei Koffern und einer Staffelei, die sie seit Jahren nicht mehr aufgestellt hatte.
Das Herbstlicht im Dorf war anders als in der Stadt. Es war weicher, goldener, und es fiel durch die Blätter der Linden mit einer Wärme, die Gertrud auf der Haut spürte wie eine Berührung. Sie stellte die Staffelei in den Garten und begann zu malen, zum ersten Mal seit Heinrichs Tod, und die Farben, die aus dem Pinsel flossen, waren die Farben ihrer Kindheit — das Grün der Wiesen, das Braun der Erde, das Gold des Lichts.