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I. Heine in Deutschland

Nicht nur der Dichter und Schriftsteller – der Jude, der Kranke, der ganze Mensch, der in Heinrich Heine Gestalt gewann, zwingt uns auch heute noch, und heute vielleicht mehr als je, zur Stellungnahme. Seltsame Erscheinung: derselbe Dichter, dessen Lieder im Munde unseres Volkes erklingen, gilt in Frankreich als erster Vertreter des esprit Parisien, und er, dessen Name weltferne, traumhafte Romantik hervorzaubert, steht als Schriftsteller in den Reihen der revolutionären Vorkämpfer und ist einer der ersten, der die Bedeutung und Gefahr der sozialen Bewegung klar erkannte und kommendes Unheil ahnenden Geistes voraussah. Als Jude aber ist er den Rassetheoretikern Problem, wird von den Antisemiten ebenso leidenschaftlich abgelehnt wie gefeiert von seinen Anhängern. Und einer Zeit, die Blick hat für seelisches Gefüge und dessen Mischung aus Gesundem und Krankem, gibt er die Frage auf, welche Rolle in der geistigen Entwicklung des Einzelnen und der Menschheit das Pathologische spielt, und ob die sogenannte Dekadenz nur Entartung sei. Heinrich Heine ist ein europäisches Ereignis. Dieses Wort Nietzsches muß Grundlage jeder unparteiischen Würdigung sein; gerade bei Heine führt Einseitigkeit zu ganz schiefen Urteilen. Weder er selbst mit seinen oft widerspruchsvollen und ebensooft durch die jeweilige Situation oder Absicht eingegebenen Äußerungen, noch die Familie mit ihrer nur zu

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