I.
Einsame Spätsommersonntagsstille oben über dem Bergwald – wo dann Haiden und Krummholzbüsche zum Kamme emporklettern – im Schlage, wo alte knorrige Wetterfichten vor kurzem festgestanden hatten und nun nur noch die Wurzelstöcke aus dem aufgewühlten Boden ragten. Zwischen Blöcken und Stöcken blühten und glühten Weidenrosen. Die grünen Blaubeerblättchen und tausend kleinen Kräuter glänzten weithin wie in Silber, über die die roten Blüten gestreut schienen in stiller Sonnenfreude. Es war klar weithin in die tiefe, ferne Welt – und lautlos einsam. Nur Axtschläge hallten und ein Spechtlachen klang. Ein Grüner und ein Schwarzer kamen in wogendem Fluge in der freien, frohen Sommerlust, suchten den Stamm der einzeln inmitten des Schlages verschont gebliebenen Fichte, die bis zum kleinen Wipfel astkahl war. Ein jeder Vogel saß emsig am Stamme, eilte ringsum, das Köpfchen rückwärts gestaut wie einer, der seine Zeitung weit halten muß, um sicher zu sehen, das schwarze Köpfchen aus dem hellgrünen Jägerkleide nun neugierig noch einmal zurückwendend in die einsame, sonnendurchwirkte Halde – der Grüne – und dann laut und eilig pochend, daß weithin eilfertig der Doppelschlag der beiden lustigen Schweber hörbar über die Halde klang. Nun flog einer – dann der zweite in stoßenden Wellen weiter dem Walde zu. Es war ein Morgen, als wäre man nicht aus Erde, nur aus Licht und Lust geboren. – Rubener