Chapter

Heimatsucher

Schwerfällig, schon beinahe im Schneckengang rollte an einem Junimorgen des Jahres 1870 eine Postkutsche dem ostpreußischen Städtchen Neuhaus zu, das noch abseits von der Bahn lag. In dem gelben Kasten saßen nur zwei Menschen, ein junges Fräulein in Krinoline und Amazonenhut und ein Jüngling, der noch einige Jahre jünger sein mochte als seine Reisegefährtin. Die beiden hatten noch kein Wort miteinander gesprochen, das Fräulein sah ein wenig gelangweilt und müde zum Fenster hinaus, und trotz seiner Primanerwürde wagte es der Jüngling doch nicht sie anzureden. Er dachte freilich unablässig über sie nach, wer sie wohl sein und wohin sie wohl fahren mochte. Er war ein Kind der Gegend und kannte beinahe alle Leute in und um Neuhaus und er überlegte, wem der Besuch der Fremden gelten könnte. Mitten in seine Überlegungen hinein ertönte auf einmal die Stimme seiner Reisegenossin. Mit anmutigem Lächeln fragte sie ihn: »Kennen Sie einen Ort Kloningken, mein Herr?« »Aber gewiß,« rief der junge Mensch und wurde blutrot vor lauter Eifer und Verlegenheit, »Kloningken ist doch meine Heimat, das Gut gehört meinem Vater!« Erstaunt fügte er hinzu: »Wollen Sie dorthin?« Die Fremde nickte nachlässig: »Zum Pastor will ich.« »O,« rief ihr Gefährte rasch, »jetzt weiß ich auch, wer Sie sind, Sie sind Miß Brown, das Fräulein aus Amerika, das zu meinem Onkel Flemming will. Pfarrer Flemming ist nämlich

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