Heidjers Heimkehr
Auf dem Snarshofe zu Vierhöfen erwachte mit dem ersten Morgengrauen das muntere Leben eines schönen Junitages. Das zierliche Hausrotschwänzchen, das in einem geschützten Winkel unter dem überhängenden Strohdach übernachtet hatte, flog einem der beiden Pferdeköpfe des Dachfirstes aufs Ohr, wippte mit dem Schwanz und sang sein bescheidenes Morgenlied. Majestätisch kam der Hahn die Hühnerleiter herabgestiegen und entbot seinem Volke und dem schlafenden Dorf einen heiseren Morgengruß. Davon erwachten die Kühe, die an den Seiten der geräumigen Diele träumten. Sie rasselten mit ihren Ketten und rafften die letzten vom Abend übriggebliebenen welken Grashalme auf. Dann ließen sie ein lautes Muh durch das morgenstille Haus dröhnen. Das weckte die dralle Hausfrau, die immer die erste war. Sie erhob sich von der Seite des noch fest schlafenden Snarsbuern, warf ihr Kleid über und klapperte in Holzpantoffeln über die Diele. Vor der Knechtekammer am Pferdestall rief sie: »Hinnerk, upstahn!« und vor der Mädchenkammer: »Doris! Trina! Et ward Tied!« – Als hier nicht sofort geantwortet wurde, packte sie mit fester Hand den Griff und stieß die Tür auf. Da raschelte es im Bettstroh, und schlaftrunken kam es aus dem dämmerigen Raum: »Ja, Fro, wi kamt ja all!« Ihren Eheherrn ließ die resolute Frau etwas länger schlafen. Mit dem Snarshof war nämlich Gastwirtschaft und Posthilfsstelle verbunden, und