Hedwig
In einer stillen Seitenstraße der Westvorstadt Berlins, wo die Häuser weitläufig im Grün stehen, lag, umgeben von einem anmutigen Garten, ein kleines einstöckiges Haus. Im Sommer war es bewohnt gewesen. Damals sah man wohl im Vorübergehen helle Mädchenkleider aus dem Grün leuchten und spielende Kinder in den Steigen; als aber der Herbst kam und über die Bäume ein brauner Ton ging und das Laub des wilden Weines sich rot färbte, waren mit den fallenden Blättern auch die Sommergäste fortgezogen, und nun tanzte nur noch das raschelnde Laub in den Steigen und auf der Veranda machten sich die Sperlinge breit. Ein alter Mann, der von dem Besitzer des Hauses als Portier und Gärtner hineingesetzt war, blieb dort. Er bewohnte ein kleines Zimmer im Nebengebäude und abends sah man sein einsames Licht durch die Zweige scheinen. Die Vorhänge waren niedergelassen und über der Thür hing ein Zettel mit der Inschrift: »Zu vermieten;« allein es war nicht wahrscheinlich, daß dies im Winter geschehen würde. Die Zeiger der alten Uhr über der Hausthür vollendeten Tag für Tag ihre Kreise und der einsame Pendelschlag hallte in den schweigenden Nächten durch die öden Räume, indes draußen die Büsche durchsichtig wurden und die Steige sich mit fallendem Laub füllten. Der Triton in dem Bronzebecken blies seinen feinen Wasserstrahl nicht mehr in die Luft, er bot den traurigen Anblick einer vergeblichen