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Muttertränen – Kindessegen

Es war Sonntag Nachmittag. Draußen in der Vorstadt saß in dem Gärtchen hinter dem Hause der Schreinermeister Schlicht mit Frau und Mutter. Auch eine liebe befreundete Nachbarin, Frau Kluge hatte sich der kleinen Versammlung zugesellt. Die Meisterin hielt ihr jüngstes Mädchen auf dem Schoße und reichte ihm lachend eine Schwarzbrotrinde, die der hübsche Flachskopf mit sichtlichem Behagen kaute. Ein etwa dreijähriges Bürschlein spielte zu Füßen der Mutter mit einem hölzernen Wagen, und mühte sich, ihn mit den am Wege liegenden Kieselsteinen zu beladen. Der Vater hatte diesen Wagen eigenhändig geschnitzt und ihn nicht nur in Anbetracht der kindlichen Zerstörungsfertigkeit durchaus solid gebaut, sondern auch noch ziegelrot und blau bemalt, so daß wenigstens Fritzchen meinte, es gäbe sicher kein schöneres Fuhrwerk mehr auf der ganzen weiten Welt. Der kleine Fuhrmann hing übrigens noch sehr gerne am Schurzband der Mutter und spielte deshalb weit lieber allein in ihrer Nähe, als mit den Geschwistern, die sich unfern von den Eltern lustig mitsammen unterhielten. Eigentlich verdiente der mit nur einigen Kastanienbäumen bepflanzte Hof den vornehmen Namen eines Gartens nicht, aber er war doch das Paradies der Kinder, die dort zu allen Zeiten des Jahres ihren Spielplatz hatten. Längs der Mauer hin zog sich ein Beet, auf dem Frau Schlicht ihren nicht unbedeutenden Bedarf an Küchenkräutern,

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