1. Eine denkwürdige Nacht
Die Nacht vom siebenundzwanzigsten Juli Achtzehnhundertunddreißig war still und feierlich. Die Erinnerung an sie ist mir viel gegenwärtiger als manche grausigere Bilder, die das Schicksal vor meinen Augen sich abspielen ließ, in mein Gedächtnis eingegraben sind. Die Ruhe von Land und Meer vor dem Sturm wirkt nicht majestätischer als die von Paris vor der Revolution. Die Boulevards waren verödet. Begierig um mich blickend und horchend, wanderte ich sie allein nach Mitternacht ihrer ganzen Länge nach. Der reine Himmel breitete den weißen Schimmer seiner Gestirne über den Erdboden, die Häuser aber waren lichtlos, geschlossen und wie tot. Alle Straßenlaternen waren zertrümmert. Einige Arbeitergruppen ballten sich noch unter Bäumen zusammen und lauschten einem geheimnisvollen Redner, der ihnen mit leiser Stimme zuflüsterte. Dann trennten sie sich laufend und warfen sich in enge und finstere Straßen, preßten sich gegen kleine Flurtüren, die sich wie Falltore auftaten und wieder hinter ihnen schlossen. Dann rührte sich nichts mehr und die Stadt schien nur tote Bewohner und verpestete Häuser zu enthalten. In bestimmten Abständen begegnete man einer düsteren, untätigen Masse, die man nur bei der Berührung erkannte: es war ein Gardebataillon, das aufrecht, ohne Bewegung, ohne einen Laut von sich zu geben, dastand. Weiter weg eine Artilleriebatterie, von ihren angesteckten Lunten wie von