Auf dem Kilimandscharo
In Prunk und Pracht war die Sonne Afrikas untergegangen. Der Eishelm, der das in sechstausend Meter Höhe gereckte Haupt des Kilimandscharo bedeckt, loderte auf in Purpurglut, funkelte wie ein in Flammen gesetzter Stern weit über die Länder und sank zurück in matten Silberglanz. Gletscher und Moore, Eisklüfte und Schluchten hauchten in rasch sinkender Abendkühle grauen Atem aus. Wiegend und tanzend schwebten zarte Gebilde empor, wehten wie Elfengewänder, wie Schleier und Fahnen über die Hochwüste, wuchsen zu Riesenformen, zu Ungetümen, ballten und verdichteten sich zu wogenden, wallenden Wolken. Die letzten Stimmen des Lebens, die klingend hüpfenden Tropfen an den Felsmauern und die murmelnden Wasserfäden zwischen den Blöcken, verstummten und erstarrten, wurden zu silbernen Adern, zu blinkenden Krystallen, die wie Spitzengewebe die steinernen Brüste der Felsen bedeckten. Alles Licht verlosch, Himmel und Erde versank in grauem Nebelmeer, tauchte in die Eiseskälte und das Todesschweigen, das den Weltenraum erfüllt. – – Tief, tief drunten warf sich ein Windstoß in die Urwälder. Dumpf wie eine Herde schlafender Ungeheuer schnaubten sie auf. Als ferner schwacher Laut nur drang es herauf und erstarb wieder in der unendlichen Stille. In den grauen Fluten schwammen, bogen und bäumten sich die Leiber von Nebelriesen. Ihre gewaltigen Glieder stiegen an schroffen Felsenpfeilern hoch, ihre