Chapter

Die Flucht

Über dem dunklen Meere der Kongowälder lag die Tropennacht. Aus den schwarzen Wogen der Baumkronen stiegen spukige Nebelgestalten auf, die von hier durch hundert Horizonte weit fortrollten über Länder und Länder. Der Nachtwind fuhr darüber, mit dumpfem Aufrauschen antwortete der Wald, und der Wind nahm die Antwort mit in die Ferne. Dann erfüllte wieder die eigene Stimme des Waldes, der Millionenchor der Zykaden, allein die Stille, und die Häupter der Baumriesen starrten stumm empor in die strahlenden Weltenscharen des Nachthimmels. Die Füße der Riesen wurzelten im feuchtwarmen, schwarzen Erdreich; durch die zum Greifen dicke Finsternis sprühten Schwärme von Leuchtkäfern wie ein Tanz von Diamanten, die das Gefühl ihrer eigenen Schönheit beschwingt und belebt. Wenn die Zykadenchöre wie auf den Wink eines Dirigenten plötzlich schwiegen, tönte das helle »Kling« eines Wassertropfens, der aus dem Barte eines der Riesen fiel, der schrille Aufschrei eines Nachtaffen, der Traumruf eines Vogels durch die ungeheure Stille. Ein breites, ruhig fliehendes Wasserband, worin die Sterne des Himmels hunderttausend silberne Funken und Pfeile webten, durchschnitt die Waldnacht, der Lualabastrom, der fünfzig Tagereisen weiter westlich in den großen Kongo flieht. Wieder einmal machten die Urwaldsänger eine Atempause, da bewegte sich der Lianenvorhang, der den Wald vom Strome trennt; ein leises,

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