Erster Teil, Kapitel 1: Wie es im Juli neunzehnhundertundvierzehn in einem Schweizer Hotel aussah
Erstes Kapitel. Wie es im Juli neunzehnhundertundvierzehn in einem Schweizer Hotel aussah. Es war einer der heißen Sommerabende in Luzern. Ende Juli neunzehnhundertundvierzehn. Die Dinerstunde war vorüber. Aus allen Hotels strömten die Gäste auf die Promenade. Die Sprachen aller Herren Länder surrten durcheinander. Am Straßenrand standen ein paar deutsche Touristen, rissen die Augen auf und bestaunten das glänzende Bild. Von denen, die dies Bild stellten, schien sich keiner um den anderen zu kümmern. Jeder mied ängstlich den Schein, als achte er auf den anderen. Aber wer genau hinsah, erkannte: die gleichgültige Geste war Verstellung. Jeder war interessiert und voll Neugier. Und dieser scheinbar ungezwungene Abendspaziergang war im Grunde nichts anderes als eine bewußte Schaustellung. Je zwangloser sich einer gab, um so gespreizter wirkte er. Das wiederholte sich jedes Jahr, den ganzen Sommer über, Abend für Abend. Ein-, zweimal ging man im gleichen Tempo, das keiner angab, und das doch jeder kannte, auf und ab. Die Herren im kurzen Smoking, den Strohhut im Genick, die Hände in den Taschen. Die Damen ohne Hut, das Diadem im Haar, kostbare Brillanten auf den Seidenschuhen, schwere Perlenschnüre unter dem Cape, das wie zufällig, raffiniert über die bloßen Schultern hing. Wie auf ein Zeichen, das doch keiner gab, verschwand jetzt Gruppe nach Gruppe im Vorraum des Hotel National.