Einleitung des Herausgebers
Als Levin Schücking am 31. August 1883 seine Augen zum ewigen Schlummer schloß, konnte niemand ahnen, daß der literarische Ruhm dieses Dichters, der vier Jahrzehnte hindurch das Interesse des gebildeten Publikums rege gehalten hatte, so schnell verblassen würde. An der betrübenden Tatsache, daß selbst viele der besten Romane Schückings, die ihm den Ehrennamen des deutschen Walter Scott eintrugen, heute mit den einst vielgelesenen Werken anderer vergangener Größen in den Leihbibliotheken ein gar ruhmloses Dasein fristen, ändert auch die Anerkennung nichts, die dem Schaffen des Dichters von namhaften Kritikern in unseren Tagen noch gezollt wird. Als Adolf Stern seine Geschichte der neueren Literatur schrieb, war Levin Schücking eben gestorben, deshalb wiegt sein Zeugnis in dieser Sache nicht sehr schwer; mehr gilt das Wort von Adolf Bartels im zweiten Bande seiner Geschichte der deutschen Literatur: »... Die Bedeutung seiner besten Romane, zu denen noch zahlreiche Novellen traten, beruht auf der Schilderung der heimatlichen Besonderheiten, der westfälischen Natur und Menschen. Im besonderen ist es Schücking sehr oft gelungen, den Übergang von der alten zur neuen Zeit im Revolutionsund Napoleonischen Zeitalter mit eigentümlicher Stimmungsgewalt darzustellen; darin leistete er das für Westdeutschland, was Edmund Hoefer für die Ostseegegenden vollbracht hat.« Ehe ich jedoch auf das