Chapter

Hans und Grete

Eine Dorfgeschichte. Heute ging's im Dorf noch lustiger zu, als die Tage vorher, obgleich das rechte, echte Kirmeßtage gewesen waren. Heute war Nach-Kirmeß, oder Burschen-Kirmeß, wo die jungen unverheiratheten Bursche die Wirthe machen, aber nicht auf eigene Kosten – sie haben selbst nichts, die armen Teufel, oder haben das Wenige, was sie hatten, in den Tagen vorher längst verjubelt! – sondern auf Kosten der Wohlhabenderen im Dorf, die den »Burschen« wohl oder übel das Nothwendige – das ist: Zum Essen und Trinken vollauf – liefern müssen. Wohl oder übel! denn dies Burschen-Heischen ist ein uralter Brauch, dem sich Niemand entziehen kann, und zu dem selbst der geizigste Bauer gute Miene machen muß, für ein so übles Spiel es der Filz auch in seinem Herzen hält. Das Spiel ist aber so: Um die Mittagszeit, wenn die Tische rings umher in den Häusern gedeckt sind, ziehen die Burschen aus der Schenke, die »Heischer« voran, die Andern hinterher. Die Heischer aber – zu denen immer die Durchtriebensten gewählt werden – haben sich wunderlich ausstaffirt, ja wohl unkenntlich gemacht, und jeder hat einen langen Sack über der Schulter hangen. So geht's unter Musik und Singen und Gejohle das Dorf entlang von einem wohlhabenden Haus zum andern, oder vielmehr von einem Haus ins andere und zwar direct ins Zimmer hinein, wo die Familie beim Mahle sitzt, vielleicht mittlerweile schon abgegessen,

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