Chapter

Hannelore

Sie hieß Hannelore und war elf Jahre alt. Ihr Elternhaus lag dort, wo der große, dunkle Urwald einer Insel im Stillen Ozean seine letzten Arme ausstreckte, und man nannte es allgemein »El Rincón«, das heißt »Der Winkel«. Geschwister hatte sie keine, aber sie vermißte solche gar nicht, und obwohl die Einsamkeit ringsum tief und beklemmend war, spürte sie niemals Langeweile. Für sie waren die Tage auch ohne Spielgefährten immer zu kurz, denn die Welt ringsum bot ihren hellen Kinderaugen stets etwas Interessantes und Reizvolles. Da war zunächst vor dem Haupteingang des Hauses der Garten, worin es das ganze Jahr hindurch grünte und blühte. Wie schön waren doch die feuerroten »Flammen«, die Rosen und Sternblümchen, die kleinen Nelken und die riesengroßen Sonnenblumen! Und dann die vielen Schmetterlinge, die sie umgaukelten, und die summenden Bienen, die Honig sammelten! Und wenn man durch diesen Garten hinunterging, war man gleich auf dem Wege, der vom Urwald in die Stadt führte, und neben diesem Weg floß ruhig und lautlos ein breiter Fluß dahin. Oft kamen schon am frühen Morgen Leute aus den Wäldern hier vorbei und hielten am Gartentor. Eigentlich wollten sie in die Stadt, aber sie waren froh, wenn sie ihre Waren vorher verkaufen konnten. Dann brauchten sie dieselben nicht weiter zu schleppen. Meist brachten sie selbstgewebte Wollstoffe, auch gestrickte Sachen mit hübschen farbigen

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