Chapter

Erstes Kapitel: Zu spät gekommen

»Hänschen, trinke deinen Kakao aus – ohne Frühstück wird nicht zur Schule gegangen, wenn es auch noch so spät ist. Erst kommt die Gesundheit –« so erklang die mahnende Stimme der Frau Regierungsrat Wallenberg aus dem Speisezimmer. »Ach Muttchen, ich kann nichts dafür, wenn mich die Luise so spät weckt! Himmel – wo ist denn meine englische Grammatik – gestern abend lag sie bestimmt noch auf dem Pult ...« man hörte im Nebenzimmer erregtes Hinund Herlaufen, Bücher wurden geschleudert, ein Stuhl flog um. »Langsam – Kind – ruhig! In der Hast findest du gar nichts. Hetze dich bloß nicht so bei dem Suchen ab, Hänschen, sonst erkältest du dich wieder in der Morgenluft.« Voller Besorgnis trat die Mutter zur halboffenen Tür. »Ein ordentlicher Mensch packt seine Siebensachen abends,« hörte Hänschen den am Frühstückstisch sitzenden Vater, unzufrieden über die Unruhe, äußern. Helles Lachen antwortete. »Ach, da ist es ja – das dumme Buch – liegt schon ganz gemütlich in der Mappe und meldet sich nicht.« Gleich darauf flog es wie ein Wirbelwind an der Mutter vorüber. Ein schlankes, etwa vierzehnjähriges Ding in der Matrosenbluse, bei dem man auf den ersten Blick nicht recht wußte, war es ein Junge oder ein Mädel. Kurzlockiges dunkles Haar, eine kecke Stubsnase in dem schmalen, ziemlich blassen Gesicht mit den brennendschwarzen Augen. Dazu der Name Hänschen – nein, man konnte es den guten

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