Erstes Kapitel
Historische Novelle von Leopold Schefer »Wem gehört ein Weib?« Parlementsfrage Leipzig: F. A. Brockhaus. 1846. Der ist allzuverzagt, Der alles das will lassen, Was man ihm untersagt! Volker der Degen in den Nibelungen. Im Saale des Herrn von Boissieux zu Toulouse war, aber nur für ihn, als Erben, eine seltene Kunstausstellung zu sehen. Die Diener hatten aus allen Zimmern, Schränken, Gewölben und Kistchen und Kästchen hunderterlei Dinge reingeputzt, vorsichtig auf die lange Tafel gestellt, die mit großen dunkelgrünen, einst kostbar und mühsam ausgenähten Decken behangen war. Endlich hatten sie alles zusammengetragen und nur Mr. Coquart, der Kammerdiener des Herrn von Boissieux, und Mademoiselle Sarotte, die Kammerfrau der unlängst verstorbenen guten alten Ménehoult, befanden sich noch allein im Saale und erwarteten den Herrn. Mr. Coquart betrachtete sich die reiche Verlassenschaft, das Silbergeschirr, die vielen kunstreichen Terrinen und Schüsseln, die vergoldeten Armund Handleuchter, das goldene Dessertgeschirr, die Schmuckkästchen mit den Ringen, die Perlenhalsbänder, die Armbänder, die Diamanten und Edelsteine, beschaute sich dann die auch schon ältliche Sarotte und fragte sie: – Wäre das Zeug nun wol werth, daß ich dich heirathete, Sarotte, wenn du es besäßest? Was meinst du? – Ich denke, du kennst mich besser, versetzte Sarotte, und nimmst mich meiner Vergangenheit wegen!