Chapter

Erster Akt

Halle. Kandaules und Gyges treten auf. Kandaules schnallt sich das Schwert um, Thoas folgt mit dem Diadem. Kandaules. Heut sollst du sehn, was Lydien vermag!— Ich weiß, ihr Griechen, wenn auch unterwürfig, Weil ihr nicht anders könnt, tragt knirschend nur Das alte Joch und spottet eurer Herrn. Auch wird nicht leicht was auf der Welt erfunden, Das ihr nicht gleich verbessert: wär's auch nur Der Kranz, den ihr hinzufügt, einerlei, Ihr drückt ihn drauf und habt das Ding gemacht! Thoas (reicht ihm das Diadem). Kandaules. Das neue Diadem! Was soll mir dies? Hast du dich auch vielleicht im Schwert vergriffen? Ja, beim Herakles, dessen Fest wir feiern! Ei, Thoas, wirst du kindisch vor der Zeit? Thoas. Ich dachte— Kandaules. Was? Thoas. Seit fünf Jahrhunderten Erschien kein König anders bei den Spielen, Die dein gewalt'ger Ahn gestiftet hat, Und als du es das letzte Mal versuchtest, Die alten Heiligtümer zu verdrängen, Da stand das Volk entsetzt und staunend da Und murrte, wie noch nie! Kandaules. Nun meinst du denn, Ich hätt's mir merken und mich bessern sollen, Nicht wahr? Thoas. O Herr, nicht ohne einen Schauder Berühre ich dies Diadem, und nie Hab ich dies Schwert am Griff noch angefaßt, Das alle Herakliden einmal schwangen. Doch deinen neuen Schmuck betracht ich ganz, Wie jedes andre Ding, das glänzt und schimmert, Und das man hat, wenn man's bezahlen kann. Nicht an Hephästos

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