Das alte Haus
Wer kennte es nicht, das alte einstöckige Haus in der Tiergartenstrasse, mit seinem verwitterten gelblichen Anstrich, seinem altmodischen Uhrwerk und dem steiflinigen Balkongeländer des Oberstocks, den breiten Platanen und grünen Rasenflächen zwischen der weit zurückliegenden Hausfront und der Strassenbreite, dem alten, halb verwilderten Park dahinter, der sich bis zum Landwehrkanal hinüberzieht und ungezählte lauschige, verwachsene Plätzchen, weidenumschattete Teiche, alte, von Epheu überwucherte Urnen und Vasen birgt, von denen heut kein Mensch mehr weiss, zu wessen Erinnerung sie einst errichtet wurden. Jahrzehntelang hatten zwei alte Paare in dem alten Hause gewohnt. Die Männer waren einst Geschäftscompagnons gewesen, dann hatten sie ihren Lebensabend dort draussen, damals weit entfernt von der Stadt, in friedlichem Behagen genossen. Hochbetagt waren die vier alten Leutchen kurz nacheinander gestorben. Lange Zeit war das Haus leer geblieben, bis man plötzlich an einem Januarmorgen dieses Jahres wieder Gardinen an den Fenstern sah. Kommerzienrat Feiler, der älteste Enkel des ursprünglichen Besitzers, nun auch schon ein Mann in den Fünfzigern, hatte das Grundstück mit dem gesamten Inventar übernommen und, ohne viel daran zu ändern und zu modeln, es mit seiner einzigen Tochter und einer ziemlich zahlreichen Dienerschaft bezogen. Nach langen Jahren war wieder Leben in das alte