Am Sarg Alexander Girardis
trete die Trauer zurück und lasse den Wunsch die Wache halten: der erbarmende Genius der Vergangenheit möge die unbefugten Leidtragenden verjagen, dorthin, wo sie in Blut und Schmutz Freudenfeste feiern, dorthin, wo der unerbittliche Zeitgeist sie treffen will und sie ihn. Die unbefugten Leidtragenden, die nur der letzte Verzicht auf ein Schamgefühl ermutigen kann, um Girardi zu klagen, sind die Henkersknechte eines Lebens, das sie gezwungen haben, sein eigenes Grab zu schaufeln. Die unbefugten Leidtragenden, die tieftrauernd von aller Scham Verlassenen, sind aber auch die Bewohner einer Theaterstadt, die ihrem Ruin als Zuschauerin bis zum Schluß beiwohnt, sind die Verräter eines Volkstums, die ihr Gewand verkauft haben, um in die Hölle zu fahren; ihre Heiligtümer in Aktiengesellschaften verwandelt sahen, ihre Wahrzeichen umgelogen, und nun in den Weltuntergang als Tanzoperette mit Berliner Text und Budapester Melodie hineinrennen. Nicht der Hingang, sondern das Dasein dieses einzigen Girardi war beweinenswert. Denn wenn alles Menschentum der Kulisse nur ein Wertmaß der Zeit ist und einem unholden Gegenwärtigen nur ein Widerwärtiges gemäß sein kann, das die noch lebendigen Sinne fliehen mögen, so waren sie vor Girardis Ton rettungslos einer unerfüllbaren Sehnsucht preisgegeben; denn dieses Bühnenleben war das Maß des Unermeßlichen, das uns verloren ist. Da stand durch drei