Die Beichte eines Leichtfertigen
»Hohe Frau, die Wohltaten, womit Eure Majestät mich zu überhäufen die Gnade hatten, sind so groß, daß ich es mir nicht länger versagen kann, meinem untertänigsten Dank endlich Worte zu verleihen. Alles, Hohe Frau, was mir Tröstliches und Linderndes in meinem Unglück zugekommen ist, verdanke ich einzig der unendlichen Güte Ew. Majestät, ihr vor allem seit einem Monat die Wohltat, täglich für einige Stunden aus der Gruft meines Kerkers zum goldenen Licht des Himmels emporzusteigen, wie auch besonders die unschätzbare Gunst, von Zeit zu Zeit die Besuche des Pater Nouet empfangen zu dürfen, dessen erbauliche Gespräche meine Seele aufrichten in ihrer unendlichen Betrübnis, dessen Worte mir mehr sind als ein frischer Quell dem Verschmachtenden in der Wüste ...« Hier wurde der Vorleser von seinem Zuhörer unterbrochen. Dieser war eine dünne hagere Gestalt in eng anliegender schwarzer Soutane, mit dem langen, beiderseitig aufgerollten Jesuitenhut auf dem Kopf, der das schmale und fast weiße Gesicht vollkommen überschattete. Er lehnte mit dem Rücken gegen ein niederes Stück Mauer und sein Oberkörper stand wie ein scharfumrissener schwarzer Klex gegen den schimmernden Hintergrund von Licht und Luft. Der andere, den der Jesuit unterbrochen hatte, saß nachlässig in einem rohen hölzernen Lehnstuhl. Ein kleiner, mit weißem Straußfederflaum verbrämter Dreispitz bedeckte sein Haupt, von dem in