Chapter

Erstes Capitel

»Ich finde seit meinem letzten Besuche nichts Neues hier, Madame Parasol,« sagte ein alter Herr, welcher den Inhalt ihrer Glaskästen und Tische besichtigte. »Nein, ich habe alle diese Dinge schon gesehen und werde diesmal nach Hause zurückkehren, ohne das Vergnügen zu haben, einen einzigen Sou bei Ihnen auszugeben.« »Oh! bitte, sagen Sie das nicht, Monsieur,« sagte die junge Jüdin. »Ah, Sie haben diese Tassen von Sevres-Porzellan noch nicht gesehen; sie sind wirklich etwas Auserlesenes,« und die Besitzerin des Ladens deutete auf einen kleinen Tisch, der an der Seite des Eingangs stand. Als der Curiositäten-Jäger der Richtung ihres Fingers folgte, fiel sein Blick plötzlich auf ein Bild in einem ovalen Rahmen. Es war ein Pastellgemälde, das die Zeit etwas gebleicht hatte. Es stellte ein Mädchen im vollen Glanze der ersten Jugend und von bezaubernder Schönheit dar. Ihr Anzug bestand aus einem langen mit blauen Bändern verzierten Spitzenkleid. Ihre Gestalt war rund und von tadellosem Bau, ihren Arm, der bis zum Ellbogen bloß war, umspannte statt des Bracelets ein Band von Sammet und ihr leicht gepudertes Haar fiel ohne weiteren Schmuck in Locken auf ihre Schultern nieder. Die großen Augen waren braun und ihr feuchter Glanz verlieh ihnen einen besonderen Reiz. Der Mund war voll und feingebildet und die reifen Lippen schienen zum Kuß einzuladen. Einige Secunden stand Michael

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