Der vierzehnte Juli
Nur noch zwei Kilometer«, sagte der alte Kainz. »Du kannst schon den Turm vom Posten sehn… Jetzt! Schau! Dort, wo's blitzt, liegt das Zimmer vom Alten.« Er hielt sich am Steigbügel fest und keuchte, denn er war alt. »Wüllst net du jetzt reiten?« fragte Todd, während er sich den Schweiß aus den spärlichen Barthaaren wischte. – »Na, na!« Kainz schüttelte den vertrockneten Kopf und fuhr mit seinem Nastuch unter den Tropenhelm. Es war erst neun Uhr morgens, aber die Sonne brannte schon heiß. Die dritte Sektion der 2. Compagnie montée vom 3. Fremdenregiment hatte ein Detachement von zwanzig Mann, das aus Algerien zur Verstärkung gekommen war, von Atchana abgeholt. Die Truppe marschierte nach Gourrama zurück, einem kleinen Posten im südlichen Marokko. Grau war die Ebene und tiefe Gräben zerteilten sie. Die Ränder fielen steil ab, und es sah aus, als habe Hitze und Trockenheit die Erde auf weite Strecken gespalten. Aber im Winter flossen in den Spalten Bäche – herab von den Bergen aus rotem Stein, die fern in der Sonne flimmerten. Und im Osten, hinter ihnen, bauten sich die Schneegipfel des Hohen Atlas auf, weißblendend wie glühendes Silber, gegen den dunkelblauen Himmel. An der Spitze der Kolonne ritt Sergeant Hassa, ein Böhme mit falschen Augen, der in Colomb-Béchar das Kommando über die ›Neuen‹ übernommen hatte. Freiwillige für Marokko aus Saida, Le Kreider, Bel-Abbés. Hassa selbst