Chapter

Einleitung

Es ist Charfreitag – wir schreiben den 10. April des Jahres 1857 – und ich sitze, nachdem ich soeben, 11 Uhr Vormittags, die zinnerne Mittagsschüssel mit ihrem widerlichen Inhalt als ungenießbar bei Seite geschoben, melancholisch und den Kopf auf den Arm gelehnt in meiner Isolirzelle. Hinter mir liegen die Qualen einer fast vierjährigen Isolirhaft: drei Jahre und acht Monate war ich auf die Folter einer mittelalterlichen Untersuchungshaft gespannt, und seit einem Vierteljahre bin ich in die Züchtlingsjacke gesteckt. Vor mir habe ich zwei Jahre und neun Monate, welche ich noch im Bagno zuzubringen habe. Eine wie kurze Spanne Zeit für den, welcher sie hinter sich hat oder welchem eine goldene lachende Zukunft winkt! Aber welche Ewigkeit für mich, der ich, seit vier Jahren matt und mürbe gehetzt, sie in der Isolirzelle des Zuchthauses unter den raffinirtesten geistigen und physischen Entbehrungen verleben soll! Werde ich das Ende meiner Gefangenschaft erleben, und wenn dies, werde ich nicht körperlich ruinirt und geistig gebrochen das Zuchthaus verlassen? Wie traulich begleitet das gleichförmige Ticken von Mr. Humphrey’s Wanduhr das Gespräch im gemüthlichen Kreise von Freunden! Aber wie unheimlich wird das Ohr des Gefangenen in der Isolirzelle des Zuchthauses zu Dreibergen in der Stille des Feiertages durch den in langen und ungleichen Intervallen erfolgenden lauten, heiseren und

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