Ferien-Ende
»Meine letzten Ferien!« Die siebzehnjährige Tochter des Apothekenbesitzers Wagner stand am Fenster ihres Zimmers und schaute in den Garten des Elternhauses hinab. Dort waren zwei dreizehnjährige Knaben eifrig damit beschäftigt, aus Tüchern, Stöcken, Pappbogen und Strohmatten ein Zelt zu errichten. Martin und Kuno, die Zwillinge, huldigten ihrem Lieblingsspiele; die Indianerhäuptlinge mußten einen neuen Wigwam haben, der später von der großen Schwester besichtigt werden sollte. Bärbel war die »Weiße Blume der Prärie«, man plante an der Siebzehnjährigen einen Raub, denn ganz freiwillig beteiligte sich Bärbel nicht mehr an den Spielen der Brüder. Seit es feststand, daß sie zum Herbst einen Beruf ergreifen würde, hielt es Bärbel Wagner für richtig, an den wilden Spielen der Brüder nicht mehr teilzunehmen. Die Vorsätze wurden zwar rasch wieder vergessen, denn Barbara Wagner, die wegen ihres reichen, goldblonden Haares auch heute noch in der Familie und deren Freundeskreise das Goldköpfchen aus der Apotheke hieß, tollte und tobte gar gern durch das große Elternhaus, foppte und neckte die Brüder und stieg auch, wenn sie sich unbeobachtet wußte, über Hecken, Zäune, sogar hinauf in die Bäume. Das war natürlich in Dresden bei der Großmutter nicht möglich gewesen. Aber hier, im kleinen Dillstadt, durfte sie sich ein wenig gehen lassen. Darum sehnte Bärbel stets die Ferien herbei, die sie