Chapter

Ein gutes Hausmütterchen

Die siebenjährige Erna Wendelin nahm den Kopf der Mutter zwischen ihre beiden kleinen Hände und sagte schmeichelnd: »Laß mich ruhig allein zu den Großeltern nach Dillstadt fahren, ich verlaufe mich wirklich nicht. – Mutti, du brauchst mir Fräulein Rettich nicht mitzugeben, laß sie lieber hier, bei den anderen kleinen Kindern. Ich fahre sooo gerne allein!« Frau Bärbel Kirschner, die Mutter der Kleinen, strich dem Kinde zärtlich über das Blondhaar. »Nein, mein kleines Kerlchen, das geht nicht! Du mußt von Heidenau aus dreimal umsteigen, ehe du in Dillstadt angekommen bist.« »Mutti, der Vati macht sein Auto fertig und fährt mich bis Dresden. Das hat er im vorigen Jahre doch auch gemacht, als du mit den beiden Fipsen nach dem Pinzgau gefahren bist. – In Dresden setzt ihr mich in die Eisenbahn, und ich fahre los in die weite Welt. – Mutti, ich gehe nicht an die Tür, ganz gewiß nicht, ich gucke auch nicht weit zum Fenster raus. – Mutti, willst du mein Ehrenwort?« »Dann steigt meine kleine Erna in einen falschen Zug und kommt nie nach Dillstadt. Der Opa, die Oma, Onkel Kuno und Tante Karla warten und warten, aber mein kleines Goldköpfchen kommt nicht an.« Erna lachte, ihre blauen Augen blitzten. »Das kleine Goldköpfchen! Hahaha! – Mutti, weißt du, du bist doch immer das große Goldköpfchen gewesen, alle Leute nennen dich so, auch der Onkel Forstrat sagt immer nur zu dir: Frau

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