Chapter

Eine zweifelnde Mädchenseele

Barbara Wagner hatte alle Verbindungstüren in der Wohnung ihrer Großmutter weit geöffnet und lief wie ein Uhrwerk von einem Raum in den anderen. Dabei sprach sie laut vor sich hin. – Sie lernte. Mitunter hielt sie im Reden inne, kehrte wieder ins Eßzimmer zurück, wo auf dem Tische ein aufgeschlagenes Buch lag, schaute hinein und seufzte dann tief auf. »Die Praxis ist gar nicht so schwer, das erlerne ich alles noch, aber die Theorie! – Wer hat nur die Theorie erfunden! – Da dachte ich nun, es ist in der Sekunda mit dem Lernen aus, – fort mit den Büchern, und nun muß ich sogar während der Berufsausbildung noch Theorie treiben. – Schrecklich!« Ein Blick in das Buch, – Bärbel legte die Hände auf den Rücken, schritt durch das Wohnzimmer hinüber ins Schlafzimmer und sprach dabei wieder laut vor sich hin: »Behandelt man das Papier mit einer Lösung von chromsaurem Kali und Kupfervitriol, so nimmt seine Empfindlichkeit bedeutend zu, so daß man transparente, farbige Bilder mit Leichtigkeit damit kopieren kann!« »Fräulein Bärbel?« Es war das Hausmädchen, das soeben den Kopf durch die Zimmertür steckte. Bärbel hielt in der Wanderung inne. »Ich lerne, Toni, – aber wenn Sie eine Auskunft von mir haben wollen – –« »Die gnädige Frau ist ausgegangen, ich weiß nicht, was für das Abendbrot vorgesehen ist.« »Das ist ganz einerlei, Toni, – mengt man mehr oder weniger Chlorsilber bei, was die

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