1. Kapitel: Von Dichtern und Denkern
Seit einem halben Jahre trug Goldköpfchen die grüne Mütze der Obertertia. Mit einem stolzen Gefühl hatte sich der kleine Backfisch diese Kopfbedeckung auf die goldblonden Locken gedrückt. Die grüne Mütze war das erste gewesen, was sich Goldköpfchen in Dresden gekauft hatte, was ihm auch ein klein wenig über die Trennung aus dem Elternhause hinweghalf. Es hatte ein Weilchen gedauert, bis sich Bärbel Wagner, die Tochter des Apothekers Wagner in Dillstadt, damit abgefunden hatte, daß sie von nun ab nicht mehr in Dillstadt die Privatschule des Fräulein Greger besuchen durfte, daß sie vielmehr zur weiteren Fortbildung nach Dresden auf das Realgymnasium kam. Es war ein Glück, daß sie nicht in Pension brauchte, daß sich die gute Großmama sogleich bereit erklärt hatte, den frischen Backfisch zu sich zu nehmen, Bärbel weiter zu überwachen und zu emsiger Arbeit anzuhalten. Es war dem Apothekenbesitzer Wagner nicht leicht geworden, die Fünfzehnjährige aus dem Hause zu geben, aber er und auch seine Gattin hatten eingesehen, daß Bärbel in der heutigen Zeit eine gute Schulbildung brauchte, denn beide Eltern waren sich einig, Bärbel später einmal einen Beruf ergreifen zu lassen, der es auf eigene Füße stellte. Dafür war aber eine gute Gymnasialbildung unbedingt notwendig, die Bärbel hier in Dillstadt nicht erhalten konnte. Da die Mutter Frau Wagners in Dresden wohnte, war es ganz natürlich,