Muttertag in Goldköpfchens Heim
Es war immer dasselbe! Jeden Mittag, wenn die Kinder aus der Schule heimkamen, war im Hause Doktor Kirschners lautes Lärmen. Die vier Knaben, Hermann, Jürgen, Stefan und Fritz stürzten mit Neuigkeiten zur geliebten Mutti, die in der Küche stand, um das Mittagessen für die große Familie fertig zu machen. Unwillig sahen Marlene und die kleine Adele dieser Auseinandersetzung entgegen; wurden doch die beiden kleineren Schwestern von den Brüdern achtlos zur Seite geschoben. »Jetzt sind wir an der Reihe«, sagte Fritz mit seiner hellen Stimme. »Ihr habt die Mutti lange genug gehabt. Wir mußten fleißig lernen, ihr habt nichts getan!« Die einzige, die sich an dem lauten Lärmen nicht beteiligte, war die sechsjährige Erna. Meistens ging sie, nachdem sie die Mutti begrüßt hatte, hinüber ins Kinderzimmer. Dort nahm sie mit wichtiger Miene die auf die Erde geschleuderten Bücherranzen der Brüder auf, legte sie sorgsam in die Ecke, schüttelte mitunter sorgenvoll das Blondköpfchen und sagte seufzend: »Ja ja, diese Bengel, – man hat nur Arbeit und Sorgen mit ihnen.« Und das kleine Mädchen legte gedankenvoll die Stirn in Falten und lauschte dem Lärmen, das in der Küche kein Ende nehmen wollte. Heute ging es besonders lebhaft zu, so daß Frau Leuschner, die gute, treue Kinderfrau, die Klein-Ulla auf dem Arme trug, ebenfalls nach der Küche eilte, da sie fürchtete, daß Frau Bärbel Kirschner, ihr