In froher Erwartung
1. In froher Erwartung Barbara Wendelin lag im Schaukelstuhl, hatte die Hände lässig im Schoß verschlungen und ließ die großen blauen Augen im Zimmer umherschweifen. Sie blieben auf einem Bilde haften, das über dem zierlichen Damenschreibtische hing.»Mein Harald, mein Häschen, – mein Ehemann! Oh, mein Ehemann! Zehn Monate verheiratet. Schulmädel, – Backfisch, – junge Dame, – dann Lehrling im Atelier Brausewetter, – dann ausgebildete Photographin, Braut, Ehefrau und – und –«Ein feines Rot huschte über ihr liebliches Gesicht. Die Augen leuchteten verklärt auf. Dann sprang Bärbel hastig auf, ging an ein kleines Tischchen, auf dem mehrere Bücher lagen, griff nach einem und setzte sich wieder in den Schaukelstuhl.»Komisch ist das im menschlichen Dasein, – immer muß man lernen. In der Schule, während der Ausbildung, als Braut, und nun muß man wieder allerlei neue Weisheiten in sich hineinpfropfen, damit man nichts verkehrt macht, wenn es – endlich so weit ist! Oh, was habe ich schon alles herumstudiert, bin schon ganz dumm geworden.«Sie hatte kaum einige Seiten in dem Buche gelesen, als das Hausmädchen eintrat und der jungen Hausfrau meldete, daß draußen Frau Rindermark sei, die gern ein Stündchen mit Bärbel verplaudert hätte.»Au fein!«stieß Bärbel hervor, dann besann sie sich wieder auf ihre Hausfrauenwürde und sagte ruhig:»Bitte, führen Sie Frau Rindermark herein!«Wieder gingen