Das Erwachen Der Alten
Die Erde bebte zum ersten Mal seit tausend Jahren, und Thyra ließ den Hammer fallen. Er schlug klingend auf den Amboss, und der Ton hallte durch die Schmiede wie eine Antwort auf das Grollen, das aus der Tiefe kam. Draußen standen die Leute von Eisengrund und starrten zum Himmel, wo sich die Wolken in einem Muster zusammenzogen, das keiner von ihnen je gesehen hatte — aber das jeder aus den alten Geschichten kannte.
Die Seherinnen hatten davon gesprochen, in ihren Liedern und Prophezeiungen, die man den Kindern vorsang, damit sie sich fürchteten und trotzdem einschliefen. Die Alten werden erwachen, wenn die Welt sie vergessen hat, und sie werden hungrig sein. Thyra hatte diese Geschichten nie geglaubt. Sie glaubte an Feuer und Stahl, an die Kraft ihrer Arme und die Präzision ihrer Schläge. Doch als der Boden unter ihren Füßen sich hob und senkte wie die Brust eines schlafenden Riesen, wusste sie, dass der Stahl allein nicht genügen würde.
Noch in derselben Nacht kam der Wanderer. Er trug einen Mantel aus Schatten und Sternenstaub, sein Gesicht war alt und jung zugleich, und seine Augen brannten mit einem Licht, das keiner Flamme glich, die Thyra kannte. Er sprach ihren Namen, als kenne er ihn seit Jahrhunderten, und legte ihr ein Stück Metall in die Hand, das warm war wie lebendiges Fleisch. Schmiede daraus ein Schild, sagte er, denn was kommt, kann man nicht mit Schwertern