Goethe und Beethoven
1811, 1812... Herbstesüberfluss, Weinlese... Gold der Wälder, Abendröte... Die beiden vorletzten Symphonien und die letzte Violinsonate... Letzte schöne Tage, letzte Liebe [1]... Und die Begegnung der beiden Sonnen, Beethoven und Goethe. Kurz nur ist die Konjunktion. Seit Jahrhunderten hat das Schicksal das Zusammentreffen der zwei Gestirne der Dichtung und der Musik vorbereitet. Die Stunde ist gekommen, die Stunde ist vorüber. Sie sind sich begegnet, und sie fliehen einander. Eine neue tausendjährige Periode muss durchwartet werden... Wie beneide ich die Augen, die jene beiden gesehen haben! Ich mache sie mir zu eigen, diese Augen, und die Bilder, die auf ihrem Grunde schlafen. Ich sehe wie in einem Weiher den Widerschein des Tages, der am Horizont verschwunden ist. * Die beiden Männer kannten einander seit langem aus der Entfernung, – aber auf verschiedene Art. Beethoven war es, der von ihnen beiden das tiefste Verständnis für den andern hatte. Seit seiner Kindheit nährte er sich von Goethe, war Goethe sein Abgott. [2] Er las ihn täglich. Goethe hatte in seinem Herzen Klopstocks Stelle eingenommen. »... Wenn er (Klopstock) nur nicht immer sterben wollte! Das kömmt so wohl Zeit genug... Aber der Goethe, der lebt, und wir sollen alle mitleben. Darum lässt er sich auch komponieren. Es lässt sich keiner so gut komponieren wie er.« [3] Bei ihrer ersten Unterhaltung, im Mai 1810,