Eine schöne Historie von des Fürsten zu Salerno schöner Tochter
Eine schöne Historie von des Fürsten zu Salerno schöner Tochter Wir lesen in alten, glaubwürdigen Chroniken, daß zu Zeiten Kaiser Friedrichs des Ersten in Salerno ein Fürst namens Tancredus regierte, der als ein Mann von gütiger und sanftmütiger Natur in die Geschichte eingegangen wäre – wenn er nur nicht im Alter seine Hände befleckt und das Blut zweier liebender Menschen vergossen hätte! Dieser Fürst hatte nur ein einziges Kind, eine Tochter – doch besser für ihn wäre gewesen, er hätte sie nicht gehabt! Diese Tochter liebte er so inniglich, daß er sie ungern von sich scheiden ließ, und obwohl viele sie zur Ehe begehrten, suchte er doch stets eine Ausflucht und behielt sie über die gebührlichen Jahre zu Hause. Doch ließ er sich zuletzt bereden, sie dem Sohn des Herzogs von Capua zur Ehe zu geben, welcher aber nur ein Jahr und fünf Wochen mit ihr im Ehestand lebte und starb, worauf sich die junge Witwe in großer Traurigkeit wieder zu ihrem Vater nach Salerno begab. Weil sie aber über alle Maßen schön und aller natürlichen Anmut voll war, dabei verständiger als andere Frauen, warb mancher Fürst um sie; ihr Vater aber nahm sich vor, ihr keinen Mann mehr zu geben. Als vornehme Frau wohnte sie nun bei ihrem Vater, umgeben von Üppigkeit und Frohsinn, und dachte des öfteren daran, wie wenig ihr Vater gesinnt war, sie anderweitig zu verheiraten. jedoch schämte sie sich, solches von