Chapter

Erstes Buch

»Angeklagter, erheben Sie sich!« Totenstille herrschte in dem Gerichtssaal, obwohl eine gespannt lauschende Menge, fieberhaft erregt von dem fürchterlichen Spiel um Leben oder Tod, sich Kopf an Kopf drängte. Nur ein leises Zittern der Luft glaubte man zu vernehmen, jenes verhaltene Atmen aus gepreßter Brust. Eine Luftwelle der Erregung, die wie eine gewitterschwüle Wolke über allen Häuptern schwebte. »Angeklagter, erheben Sie sich!« Scharf, mit zermalmendem Ernst, tönte durch die lautlose Stille die Stimme des Vorsitzenden. Der Mann mit dem wirren, von verzweifelten Händen wieder und wieder durchwühlten Haar, der gebrochen in dem Gehäuse des verschlossenen und von Polizisten bewachten Anklagestuhles saß, mit der Stirn auf der Schranke – dieser unselige Mensch richtete sich langsam auf. Sein Gesicht war fahl und von Grauen zerfurcht. Seine Augen irrten wie die eines gehetzten Tieres durch den Saal. Sie glitten über viele neugierige, lüsterne, erbarmungslose Gesichter – und hafteten endlich auf den Mienen eines Weibes, das auf der ersten Zeugenbank saß. Mit dem rechten Arm drückte diese Frau ein kleines Mädchen, etwa dreijährig, an sich, das mitten in all der wabernden Erregung fest und sanft schlief, das Gesichtchen von blondem Ringelhaar überflossen. Mit dem rechten Arm umspannte sie schützend einen zehnjährigen Knaben, dessen Augen furchtsam, das Schreckliche der Stunde

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