I.
Diokles. Lucian. Diokles (noch allein). Wie ist mir? Wo bin ich? Ist dieß Elysium? Die schönste Insel der Seligen, »wo goldne Blumen glühen? wo ein ewiger Frühling von Früchten aller Arten überfließt? – Wo sind die reinen Krystallbäche? Wo die immergrünen blumenvollen Wiesen, die mir von Dichtern und Weisen versprochen wurden? Wo die Sonne, die Tagen und Nächten immer gleich leuchtet?« – Nichts als Dämmerung und Dämmerung! – und eine Stille, so still, so still, daß ich das wiegende Schwanken einer Lilie auf ihrem Stängel hören könnte. Ein wahres Schattenland! – Und bin ich denn auch ein Schatten? – Ich? Was nennest du dich? Ich kenne dich nicht mehr! – Ach! welch ein seltsames Drängen und Winden und Schneiden und Absondern fühl' ich in mir? – Mich däucht, ich bin mir das nicht mehr bewußt was ich mir kaum noch bewußt war, und doch fühle ich noch daß ich Diokles bin. – Wunderbar! mir ist als falle alle Augenblicke etwas von mir ab, bald wie Schuppen, bald wie ein Nebel den die Sonne niederdrückt. – Ein seltsamer Zustand! so leer! so leicht! so durchsichtig! Es ist nicht ganz recht mit mir – gar nicht, wie ich mir's dachte – und doch bin ich eher wohl als übel. – Aber, seh' ich nicht dort einen Schatten gegen mich herschweben? Sein Ansehen ist frei, und ruhig und edel. Gewiß einer von den Weisen eines bessern Zeitalters! – Ich will ihn anreden; er soll mir sagen, ob dieß Elysium