Die Todtenbraut
Es war ein köstlicher Sommer, auch hatte seit Menschengedenken der Brunnenort keinen so zahlreichen Besuch erlebt. Aber obschon die Gesellschaftssäle sich zuweilen mit Gästen überfüllten, so wollte doch die Unterhaltung nicht immer herbeikommen. Der Adel hielt zusammen, das Militär ebenfalls, und der Bürger machte gehässige Glossen über beide. Bei so vielen Zusammenhalten mußte nothwendig dem Ganzen aller Zusammenhalt abgehen. Selbst die öffentlichen Bälle stifteten keinen innigern Verein unter den Gebildeten und konnten keinen stiften, weil auch auf ihnen der Besitzer des Bades mit Ordensband und Stern erschien und hierdurch sowohl als durch die steife Haltung seiner Familie und des vergoldeten Lakaienschwarms hinterher, die Mehrheit der Anwesenden stillschweigend in die Schranken der verschiedenen Stände zurückverwies. Daher verloren denn auch die Versammlungen immer mehr von ihrem Umfange und angenehme Privatzirkel suchten die Geselligkeit unter sich zu erhalten, die in der öffentlichen Gesellschaft mit jedem Tage abnahm. Eine von diesen Privatverbindungen fand sich wöchentlich ein Paar Abende in einem der Säle ein, welcher um diese Zeit leer zu stehen pflegte. Hier soupirte man und erfreute sich nachher entweder im Hause oder auf den Promenaden einer anständigen und ungezwungenen Mittheilung. Die Mitglieder dieses Vereins hatten einander schon zuvor, wenigstens dem Namen