Chapter

Geschmeiß um die »Blendlaterne«

Vier Tage, vier Nächte im Stacheldraht schrie einer. Wir hörten nicht hin. Als es November 18 war, da wußte ich, wer ich bin. Johannes R. Becher Dem Doktor Erich Tadisch mußte gerade ein Furunkel mitten auf der Nasenspitze sitzen, als er den Zug, der von der Landesgrenze gekommen war, verließ. Er hatte daran herumgedrückt, daß ihm die Tränen übers Gesicht flossen. Er mußte sein Taschenspiegelchen, er trug wirklich eines, in rotes Saffianleder eingefaßt, immer wieder konsultieren, und das Wachstum seines sonst eher langgezogenen Vorgebirges in die Breite mit steigender Unruhe verfolgen. Abgesehen von der Röte, die einem alten Schnapssäufer alle Ehre eingelegt hätte. Trotzdem Doktor Tadisch Abstinent, fanatischer Alkoholhasser und Vegetarier war. Natürlich besaß Erich Tadisch seine Theorie dafür, seine Lehre, die er mit todernster Miene vorbrachte, wenn er sich ausnahmsweise einmal einem anderen Menschen anvertraute. Seine »prophetische Erkenntnis«, von der er jederzeit geschworen hätte, die Menschheit wäre, sofern sie sich nämlich zu einer Art Buddhismus bekehrte und das Töten der Schlachttiere aufgäbe, durch sie zu erlösen. Dann würde jeder Mordinstinkt dahinschwinden und jeglicher Hang zum Kriegführen und zu blutigen Revolutionen ausgerottet werden. Er betrachtete diese Anschauung übrigens als literarisches Eigentum und hätte, falls es möglich gewesen wäre, das Amt für

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