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Cartouche

Louis Dominique Cartouche wurde 1693 zu Paris als der Sohn eines ehrenwerten Bürgers geboren, der sich als Faßbinder recht und schlecht ernährte. Weil der Knabe schon früh viel Geist und Fassungskraft verriet und zudem bildschön und anmutig war, ließ sich der Vater verleiten, ihm eine Erziehung zu geben, die über seinen eigenen Stand weit hinausging. Er wurde von seinem Vater in das Jesuitenkolleg Clermont - später das Collége royal Louis le Gran in der Rue St. Jacque - gebracht, in dem sehr viel junge Leute aus den ersten Familien des Landes erzogen wurden. Diese Kameraden erhielten reiche Taschengelder zu ihren Vergnügungen, sie trugen glänzende Kleider, die sie oft wechselten. Cartouche aber hatte kein Taschengeld und mußte dürftige, abgelegte Stücke aus der väterlichen Wirtschaft tragen. Bei den Spaziergängen kauften seine Kameraden Näschereien; er mußte zusehen oder warten, bis sie ihm aus Freundlichkeit etwas davon abgaben. Der Reiz, sich die gleichen Genüsse zu verschaffen, ward zu mächtig in ihm, und er begann seine ersten Diebstähle bei den Obsthökerinnen, immer mit Glück und Geschick. Aber diese kleinen Erfolge konnten ihm bald nicht mehr genügen. Seine Begehrlichkeit wuchs immer mehr, und ein Zufall kam ihm zu gelegener Zeit zu Hilfe. Cartouches Lieblichkeit und kindliche Anmut hatten ihm die Freundschaft eines jungen Marquis erworben, der mit ihm in derselben Klasse

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