Schinderhannes
Unter allen Räubern, die im achtzehnten und im neunzehnten Jahrhundert Deutschland heimgesucht haben, ist keiner so berüchtigt geworden wie Schinderhannes. An Mut und Verschlagenheit übertrafen ihn die meisten Gauner, welche zu seiner Zeit die Rheingegend unsicher machten, und viele unter ihnen sind auch der Allgemeinheit gefährlicher gewesen als er. Ja, während uns von einzelnen großen Räubern nicht nur geniale, sondern selbst edle Charaktereigenschaften überliefert sind, suchen wir bei Schinderhannes vergebens auch nach einem solchen Zuge, der das Empfinden des Volkes für ihn einnehmen könnte. Trotzdem aber ist sein Name noch heute überall bekannt, während Picard, der Fetzer, Müller, neben denen er, wenn er gemeinschaftlich mit ihnen etwas unternahm, nur eine untergeordnete Rolle spielte, in Vergessenheit geraten sind. Der Grund davon ist der, daß Schinderhannes sich bemühte, der Vorstellung, welche sich das gemeine Volk von einem Räuberhauptmann macht, möglichst zu entsprechen. Er ist in der Tat der Räuber, »wie er im Buche steht«. Der Schauplatz, auf dem er seine Taten verübte, ist der Hunsrück und die Gegend in der Nähe dieses Gebirges, seine Zeit das Ende des achtzehnten und die ersten Jahre des neunzehnten Jahrhunderts. Es war eine wilde Zeit. Durch die französische Revolution waren alle Verhältnisse verändert. Seit 1792 wütete der Krieg zwischen Frankreich und der