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Einleitung des Herausgebers

Wenn der spanischen Dichtung und Literatur häufig der Vorwurf gemacht wird, daß sie lediglich hohlen Schein und pathetische Gespreiztheit, aber keine wahre, naturwüchsige Poesie enthalte, so ist nicht zu leugnen, daß die spanische Literatur, als Spiegelbild des spanischen Nationalcharakters, in vielen Gattungen ihres Schrifttums ein solches Urteil als nicht unberechtigt erscheinen lassen mag. Allerdings verführt die schöne, klangvolle Sprache, zumal in der Poesie, bei der dem Spanier eigenen stolzen Grandezza die Dichter leicht dazu, zugunsten von Klang, Schönheit und Form, Inhalt und Natürlichkeit zu opfern. Selbst in den Meisterwerken eines Calderon und Lope de Vega, um von Gongora und seiner Schule zu schweigen, ist nicht nur die Form das beherrschende Element, sondern wir finden auch in dem Inhalt häufig eine Künstlichkeit, die statt des natürlichen Ausdrucks der Leidenschaft und des Gefühls sich in geistreichen, gesuchten Antithesen bewegt. Schöne und große Worte ersetzen vielfach die einfache Natürlichkeit, künstlerische Rhetorik die lyrische Tiefe, und nur zu oft zieht der spanische Dichter der inneren Wärme den äußeren Glanz vor, als ob er zwischen den beiden Wirkungen des dichterischen Feuers nicht zu unterscheiden verstände. Gleichwohl aber hat dieser Vorwurf gegenüber der spanischen Literatur keineswegs uneingeschränkte Allgemeinberechtigung. Zur Widerlegung genügen

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