Viertes Buch
Der Ruf von Giafars Tugend erscholl immer mehr durch die Staaten des Khalifen. Hundert wahre Züge davon gingen von Mund zu Munde, tausend wurden dazu erfunden, und die geschäftigen Hofleute sorgten dafür, daß die wahren und erfundnen dem Khalifen zu Ohren kamen. Noch verzieh Haroun ihm seine Tugenden, weil sie ihm nützten, quälte ihn, wo er konnte, und ermüdete nicht, diesen Tugenden, die er im Grunde seines Herzens anerkannte und verehrte, durch Wort und That Netze zu stellen. Giafar entging ihnen immer mit Triumph. Von Fatime vernahm er nichts. Nie sah er sie bei der Prinzessin, zu welcher ihn der Khalife nun jeden Abend einlud; nie hörte er sie dort nennen, und nie sprach er ihren Namen aus. Den einzigen Trost, den er fand, war die Theilnehmung der Prinzessin, welche sie ihm aber, da Haroun seine und ihre Bewegungen sorgfältig zu beobachten schien, nur durch Blicke zeigen durfte. Die Zärtlichkeit des Khalifen gegen seine Schwester hatte nicht abgenommen; nur bemerkte Giafar, daß oft eine plötzliche, ungestüme, leidenschaftliche Wildheit seine zärtlichen Ergießungen unterbrach. Diese Ausbrüche, die Schamröthe, die in solchen Augenblicken der Prinzessin Wangen färbte, die bedeutenden Blicke, womit sie ihren Bruder strafte, sein finstres Betragen darauf gegen sie und ihn verwirrten und ängstigten ihn so, daß ihm diese Stunden der Zusammenkunft bald zu den beschwerlichsten