Geschichte eines Todten
An einem Decemberabend befanden wir uns zu drei in dem Atelier eines Malers; das Wetter war trübe und kalt und der Regen schlug mit seinem beständigen, monotonen Geräusch an die Fenster. Das ungeheure Atelier wurde nur schwach von dem Feuer eines Ofens beleuchtet, um den wir uns gruppiert hatten. Obgleich wir insgesamt jung und heiter waren, hatte doch das Gespräch unwillkürlich einen Widerschein von dem traurigen Abend angenommen und bald war man mit den lustigen Worten zu Ende. Einer von uns unterhielt beständig eine bläuliche Punschflamme, welche auf alle Gegenstände umher ein phantastisches Licht warf. Die großen Anlagen, die Christusbilder, die Madonnen, die Bacchantinnen schienen sich zu bewegen und an der Wand hin zu tanzen, wie in demselben grünlichen Tone vermengte Leichname. Der weite, in dem Lichte der Schöpfungen des Malers strahlende, von seinen Träumen bestirnte Saal hatte in der Dunkelheit dieses Abends einen seltsamen Charakter angenommen. So oft der silberne Löffel wieder in die Bowle mit dem entzündeten Getränke fiel, zeichneten sich die Gegenstände an den Mauern ab mit unbekannten Formen, mit unerhörten Tinten, von den alten Propheten mit dem weißen Bart bis auf jene Caricaturen, mit denen sich die Wände der Ateliers bevölkern und die nun ein Heer von Dämonen zu sein schienen, wie man sie im Traume sieht oder wie solche Goya gruppierte, Die uebelige, kalte