Geschichte eines Knaben
Er hieß Percy und war in Batavia geboren worden. Nicht in der Benedenstadt, der Stadt der Speicher, Giebelhäuser und Kanäle, wo auf bebauten Sümpfen eine erbarmungslose Sonne brütet und wo vom Sonnenuntergang bis zum -aufgang die Anopheles todbringend aus der Fiebererde steigt. Sondern in Weltevreden, der weißen Stadt, zu der die breite Doppelstraße sich aufhebt, an deren Innenrändern, im Wasser des Tjiliwoengflusses, die javanischen Mädchen ihr Haar spülen und ihren Sarong waschen. Von den Balkonen eines jener weißen Häuser hatte seine Mutter zehn Jahre lang auf den glühenden Traum der Bataverstadt hinabgeblickt, mit Augen, die aus Jubel und fassungsloser Trunkenheit sich langsam zu Müdigkeit, zu Schwermut und Hoffnungslosigkeit verdunkelt hatten. Sie hob wohl noch die Hand zum Gruße, wenn am Abend das Signal des Autos zu ihr emporrief, aber sie erhob sich nicht mehr, wenn ihr Gatte die Veranda betrat. Ihre Hände blieben im Schoß gefaltet, und mit einem müden Lächeln empfing sie den gewohnten Kuß auf ihre Stirne. Herr Schurmann, groß, schlank und mit Sorgfalt gekleidet, blieb einen Augenblick hinter ihr stehen und folgte mit wenig verhüllter Gedankenlosigkeit dem Blick ihrer halbgeschlossenen Augen über die regungslosen Palmenwipfel hinaus bis an das schon dunkelnde Meer, wo die Signallichter der Häfen aufzuckten und erloschen. »Müde, Kind?« fragte er mit der gütigen