Chapter

Einleitender Brief

Der König hat alles erfahren. Unser Plan ist entdeckt. Ich bin verrathen und ergriffen. Mit schweren Ketten gefesselt sitze ich hier zwischen undurchdringlichen Mauern, und schreibe mit erstarrendem Arm an dich — ach! wahrscheinlich die letzten Zeilen, die du von mir erhalten wirst. An dich wende ich mich, denn ich kenne dein Herz. Nie hast du mir eine billige Bitte versagt, du wirst mir auch meine letzte nicht verweigern. Rette das theuerste, was ich kenne, rette meine Ehre vor den Augen der Welt. Mein Tagebuch ist in deinen Händen. Es enthält den wichtigsten Theil von der Geschichte meines Lebens; was noch daran mangelt, füge du bey, und befördere sie zum Drucke. Ich zittre nicht vor dem Verluste meines Lebens, aber der Gedanke an den Verlust meiner Ehre treibt mich zur Verzweiflung und zum Wahnsinn. — Eine schreckliche Aussicht in die Zukunft öffnet sich meinem Blicke; ich sehe meinen Nahmen in der Geschichte meines Vaterlandes mit Schande gebrandmarkt erscheinen, das Große und Gute, was ich für dasselbe im verborgenen that, mit Stillschweigen übergangen, ich sehe mich von der Nachwelt unter die Zahl gemeiner Verbrecher geworfen! Du — nur du kannst es verhindern, und du wirst es, mit der wahren ungeschminkten Darstellung meiner Geschichte. Man wird die geheimen Triebfedern meiner Handlungen, den ungeheuern Beyspiellosen Betrug, womit ich hintergangen warb, kennen lernen, man

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